Jedes Gebäude hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich dieser deutlich reduzieren. Was nachhaltiges Bauen ausmacht, welche drei Säulen dabei eine Rolle spielen und warum Smart Home Teil der Lösung ist, lesen Sie hier.
Nachhaltig bauen: Warum die Klimakrise es notwendig macht
Die Umwelt legt ihre Grenzen selbst fest. Fachleute sprechen von „ökologischen Belastungsgrenzen", die es zu wahren gilt. Beim nachhaltigen Bauen dienen sie als Rahmen, um intakte Abläufe für das Leben auf der Erde zu sichern. Alles, was diese Grenzen überschreitet, belastet die Umwelt und zieht negative Folgen nach sich.
Auch in der Baubranche gibt es viele Bereiche, die die Umwelt schädigen und die Klimakrise verschärfen können. Durch gezielte, umweltschonende Maßnahmen lässt sich jedoch Klimaneutralität – auch „Net Zero" genannt – erreichen. Nachhaltiges Bauen ist daher gerade heute wichtiger denn je.
Das übergeordnete Ziel: Umwelt, Ressourcen, Kapital, Gesundheit und gesellschaftliche Bedürfnisse langfristig zu schonen. Das macht nachhaltiges Bauen so relevant, und zwar für viele Lebensbereiche gleichzeitig.
Was bedeutet nachhaltiges Bauen?
Sowohl bei der Konstruktion als auch bei der Nutzung von Gebäuden entstehen Treibhausgase. Nachhaltiges Bauen beschränkt sich daher nicht auf einen kleinen Teilbereich, sondern betrachtet das große Ganze.
Es geht also nicht nur um „Öko-Häuser", sondern um eine ganzheitliche Betrachtung aller Aspekte, die ein Gebäude betreffen: Planung, Bau, Nutzung und Rückbau. Jede dieser Phasen wird berücksichtigt, über einen Lebenszyklus, der bei einem Haus im Schnitt 50 bis 100 Jahre umfasst.
Hinzu kommen regionale Unterschiede: Im Globalen Norden etwa ist es üblich, Gebäude zu heizen und gut zu isolieren. Nachhaltiges Bauen bedeutet deshalb, das Klima des Standorts ebenso einzubeziehen wie Ausrichtung und Form eines Gebäudes.
Neben der Senkung des Energiebedarfs verfolgt nachhaltiges Bauen weitere Ziele:
Einsatz wiederverwertbarer Baustoffe und -teile
Optimierung des Transports hinsichtlich Kosten und Emissionen
Rückführung verwendeter Materialien in den natürlichen Stoffkreislauf
Schonung von Naturräumen
Schaffung von Nachnutzungsmöglichkeiten
Flächenoptimiertes Bauen
Nachhaltiges Bauen im Wandel: Vom Rohbau zur energieeffizienten, modernen Architektur. Quelle: Paul Kammerer
Die drei Hauptsäulen des nachhaltigen Bauens
Nachhaltiges Bauen ist vielschichtig. Orientierung bietet das bewährte Drei-Säulen-Modell:
Ökologie: Schonender Ressourcenverbrauch, geringer Energiebedarf und minimierter Abfall stehen im Mittelpunkt. Typische Maßnahmen sind die Nutzung erneuerbarer Energien und das Recycling von Baumaterialien.
Ökonomie: Hier geht es um wirtschaftliche Aspekte wie vertretbare Baukosten, eine lange Lebensdauer, hohen Werterhalt sowie niedrige Betriebs- und Instandhaltungskosten.
Soziale Faktoren: Ein gesundes Raumklima, ausreichend Tageslicht, Schallschutz und Barrierefreiheit: Auch der Mensch und sein Wohlbefinden gehören zu einem nachhaltigen Gebäude dazu.
Nachhaltiges Bauen ist also weit mehr als die Wahl der richtigen Dämmmaterialien. Der ganzheitliche Ansatz zieht sich durch alle drei Säulen.
Nachhaltiges Bauen: Die Planung ist das A und O
Nachhaltiges Bauen beginnt mit der richtigen Planung. Verschiedene Klimazonen bringen verschiedene Anforderungen mit sich. Wie bereits oben erwähnt, stehen in kalten Regionen beispielsweise eine effektive Heizung und eine gute Isolierung im Vordergrund.
Auch die Form des Gebäudes spielt eine entscheidende Rolle. Nachhaltige Architektur fragt zum Beispiel: Wie muss ein Haus geschnitten sein, um maximale Klimaeffizienz zu erzielen? Natürliche Querlüftung ist dabei ebenso ein Thema wie die thermische Masse, mit der sich der Heizbedarf eines Gebäudes spürbar reduzieren lässt.
Zur nachhaltigen Architektur gehören außerdem Größe und Art der Verglasung sowie ein durchdachter Sonnenschutz. Auch Begrünungen können als passive Designstrategie eingesetzt werden und leisten einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Bauen.
Unabhängig davon, welche Maßnahmen Sie ergreifen: Es empfiehlt sich, die Nachhaltigkeitsziele schriftlich festzuhalten. Das schafft Transparenz, ermöglicht eine strukturierte Planung und kann bei der Beantragung von Förderungen hilfreich sein.
Folgende Faktoren sollten dabei einfließen: Energiebedarf, Tageslicht, sommerlicher Wärmeschutz und Flächeneffizienz. Die Planung eines „green building" umfasst konkret:
Gebäudeform
Kompaktheit
Ausrichtung
Hülle
Nicht zu vergessen: nachhaltige Baustoffe. Naturmaterialien wie Holz und Lehm sowie Dämmstoffe aus Zellulose, Kokosfaser oder Holzwolle sind bewährte Optionen. Dazu kommen ökologische Farben, Lacke und Bodenbeläge sowie recycelte Materialien, die beim grünen Bauen eine zunehmend wichtige Rolle spielen.
Nachhaltig Bauen: Die Konstruktion
Sind alle relevanten Aspekte gut durchgeplant, geht es an die Umsetzung. Dabei gilt es nicht nur, die vorab festgelegten Nachhaltigkeitsziele einzuhalten, auch die Baustelle selbst sollte nachhaltig organisiert sein.
Um sicherzugehen, lohnt es sich, ein Bauunternehmen zu beauftragen, das Erfahrung im nachhaltigen Bauen mitbringt und die Anforderungen an „green building" kennt. Eine nachhaltige Baustelle umfasst unter anderem:
Lärmschutzmaßnahmen
Staub- und Abfallreduktion
Boden- und Grundwasserschutz
Optimierte Logistik für minimale Transportkosten und -emissionen
Wichtig ist außerdem, dass alle Beteiligten im richtigen Umgang mit nachhaltigen Baumaterialien geschult sind. Wer keine Erfahrung mit ökologischen Dämmmaterialien hat, riskiert Fehler, die die Energieeffizienz des gesamten Gebäudes beeinträchtigen können.
Ebenso entscheidend ist eine saubere und präzise Ausführung. Mängel bei der Konstruktion können die Energieeffizienz mindern und Nachrüstungen erforderlich machen – und jede Nachrüstung bedeutet den Einsatz neuer Ressourcen, den es zu vermeiden gilt.
Die Gebäudenutzung als Bestandteil nachhaltigen Bauens
Die Nutzungsphase ist ein zentraler Bestandteil nachhaltigen Bauens und gleichzeitig die kostenintensivste. Über Jahrzehnte hinweg fallen Energie- und Betriebskosten an, die maßgeblich davon abhängen, wie ein Gebäude genutzt wird.
Heizen, Kühlen, Lüften, Beleuchtung, Stromverbrauch: Die Liste der relevanten Faktoren ist lang. Als Nutzer/innen sollten Sie folgende Aspekte im Blick behalten:
Betrieb
Instandhaltung
Modernisierung
Ggf. Umnutzung
Eine gut geplante Gebäudehülle und eine klimaeffiziente Heizung sind eine solide Grundlage. Wie Sie diese im Alltag nutzen, ist jedoch mindestens genauso entscheidend. Richtiges Heiz- und Lüftungsverhalten macht einen spürbaren Unterschied.
Darüber hinaus sollten verschiedene Bereiche eines Gebäudes regelmäßig gewartet und instandgehalten werden. Wo nötig, ist auch eine energetische Sanierung sinnvoll, denn sie verlängert die Lebensdauer des Gebäudes und senkt den Ressourcenverbrauch.
Ein Beispiel: Ältere Gebäude werden häufig noch mit Gas- oder Ölheizungen betrieben. Diese auf nachhaltige Alternativen umzurüsten, spart langfristig Kosten und schont die Umwelt.
Als Eigentümer/in lohnt es sich, mit der Zeit zu gehen. Nachhaltige Technologien entwickeln sich stetig weiter und bieten immer neue Möglichkeiten, den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Eine besonders zeitgemäße Lösung bietet das Smart Home: Die intelligente Vernetzung von Gebäudefunktionen trägt erheblich zur Energieeffizienz bei.
Smarte Heizungen regulieren den Verbrauch bedarfsgerecht, smarte Waschmaschinen dosieren Wasser und Waschmittel effizient, und smarte Kühlschränke passen ihren Energieverbrauch an den aktuellen Inhalt an. Der Einfluss von Smart Home auf die Nachhaltigkeit eines Hauses ist größer, als viele denken.
Übrigens: Wer einen Neubau plant, sollte Smart Home von Anfang an mitdenken. Das spart nicht nur Zeit und Geld für spätere Nachrüstungen, sondern ermöglicht es, smarte Technologie von Beginn an optimal in das Gebäudekonzept zu integrieren.
Rückbau am Ende des Lebenszyklus
Am Ende des Lebenszyklus zeigt sich, wie nachhaltig ein Gebäude wirklich war: Wird es zur Abfallquelle oder zum Rohstofflager? Ziel des grünen Bauens ist es, die verwendeten Materialien möglichst hochwertig wiederzuverwenden oder zu recyceln. Je weniger entsorgt werden muss, desto besser.
Ein nachhaltiges Gebäude wird so zur Ressource für künftige Bauwerke. Gleichzeitig lassen sich Emissionen vermeiden, die bei der Entsorgung von Baumaterialien zwangsläufig entstehen. So schließt sich der Kreis: Recycelte Materialien stehen für den Bau neuer, nachhaltiger Gebäude zur Verfügung.
Nachhaltig bauen als wichtige Maßnahme in der heutigen Zeit
Nachhaltige Gebäude sind längst keine Zukunftsvision, sie sind eine Notwendigkeit. Nachhaltiges Bauen hilft, Umweltbelastungen zu reduzieren und den Weg in Richtung Klimaneutralität zu ebnen.
Dabei geht es nicht allein um ressourcenschonende Konstruktion oder energieeffiziente Planung. Auch die Nutzungsphase gehört dazu und damit sind alle gefragt, die in einem Gebäude leben oder arbeiten. Erst ihr bewusster Umgang mit Energie und Technik macht nachhaltige Gebäude wirklich zukunftsfähig.