Risse in der Wand: Begleiterscheinung eines alten Hauses oder ernstzunehmendes Problem?
Risse in der Wand eines alten Hauses sind keine Seltenheit. Wir helfen Ihnen zu erkennen, ob hinter der spröden Fassade ernstere Probleme lauern.
Ein Riss in der Wand eines alten Hauses ist sicherlich kein schöner Anblick. Das Gute ist aber, dass die meisten Risse lediglich ein optisches Problem sind und kein akuter Handlungsbedarf besteht. Denn viele Beschädigungen in der Fassade entstehen mit der Zeit durch Witterung oder unsachgemäße Materialnutzung.
Um dennoch Feuchtigkeit vom Mauerwerk fernzuhalten und eine mögliche Schimmelbildung zu verhindern, ist es wichtig, Risse in der Hauswand vor allem bei alten Häusern regelmäßig zu beobachten.
Riss in Hauswand entdeckt: Ab wann besteht Handlungsbedarf?
Sobald Sie einen Riss in der Wand Ihres alten Hauses bemerken, sollten Sie diesen – wie oben bereits erwähnt – zunächst beobachten. Dabei können Sie wie folgt vorgehen:
Markierung Sie Anfangs- und Endpunkt des Risses in der Wand
Messen und dokumentieren Sie die Dicke
Fotografieren Sie den Status-quo
Dokumentieren Sie Ihre Beobachtungen über einen längeren Zeitraum
Diese Dokumentation könnte über ihre nächsten Handlungen entscheiden, denn in der Regel werden kritische Risse über Wochen und Monate hinweg immer größer. Sollte sich Ihr Riss also stetig verändern oder vergrößern, wenden Sie sich zur Abklärung unbedingt an eine Fachperson.
Setzriss oder Putzriss: Was ist der Unterschied?
Fachleute unterscheiden in der Regel zwischen Setzrissen und Putzrissen, wobei die Setzrisse als kritischer eingestuft werden. Sollten sich diese Risse im Mauerwerk schnell vergrößern, sollten Sie umgehend tätig werden. Die langen und tiefen Setzungsrisse verlaufen meist schräg an der Hauswand entlang und sind sowohl im Innen- wie auch im Außenbereich zu sehen.
Besonders große Setzrisse können sogar die Statik des Gebäudes negativ beeinflussen, weshalb es wichtig ist, diese Risse in der Wand durch eine professionelle Fassadensanierung beheben zu lassen.
Anders als Setzrisse sind Putzrisse in der Wand gewöhnliche Merkmale eines alten Hauses und meistens unbedenklich. Sie befinden sich nur an der Oberfläche der Fassade und entstehen aufgrund von Witterung oder mangelhafter Verarbeitung des Putzes. Meist treten sie sogar recht früh an Neubauten auf.
Fachleute unterscheiden vier Putzrisse-Typen, die grundsätzlich unbedenklich sind:
Schrumpfrisse sind häufig zu findende Beschädigungen in der Fassade, die sich netzartig ausbreiten. Sie sind bis zu 0,5 Millimeter breit und entstehen kurz nach dem Auftragen des Putzes durch eine zu schnelle Austrocknung.
Schwindrisse sind feine, verzweigte Risse mit einer Breite von bis zu 0,2 Millimetern, die ebenfalls durch ein zu schnelles Trocknen des Putzes ein bis zwei Monate nach dessen Verarbeitung entstehen.
Sackrisse verlaufen in einer Länge von 10 bis 20 Zentimetern horizontal und entstehen durch eine zu dicke Auftragung des Putzes.
Fettrisse sind feinde Haarrisse, die sich nur auf der Putzoberfläche befinden. Die Risse sind meist sehr schmal und kaum sichtbar. Mit dem Regen gelangt Wasser hinein, das feine Schmutzpartikel aus der Luft mitführt. Trocknet die Feuchtigkeit anschließend, bleiben dunkle Ablagerungen zurück. Dadurch entstehen Linien, die insbesondere auf hellem Putz wie fettige oder ölige Spuren wirken.
Diese vier Riss-Arten in der Wand, ob altes Haus oder Neubau, sind nicht schön anzusehen, aber unbedenklich. Bei einem Neubau oder einer frisch sanierten Fassade sollten Sie jedoch unverzüglich die Firma kontaktieren, die für die Fassadengestaltung verantwortlich ist und kostenfreie Nachbesserungsarbeiten veranlassen.
Ursachen für Risse in der Wand beim alten Haus oder Neubau
Während Putzrisse in der Wand bei alten Häusern also vor allem durch die Witterung oder Materialmängel zustande kommen, liegen die Ursachen für Setzrisse meist im Baugrund. Mit der Zeit kann sich der Untergrund nämlich verdichten und Wasser herauspressen. Dadurch sinkt das Gebäude einige Millimeter ab. Besteht der Baugrund aus Sand oder Kies, kann der Prozess schneller gehen als beispielsweise bei Ton oder Lehm.
Das Problem hierbei ist, dass die Absenkung in den wenigsten Fällen gleichmäßig verläuft. Befindet sich an einzelnen Stellen ein Gefälle, kommt es zu einer Schiefstellung und diese ist verantwortlich für gefährliche Risse im Mauerwerk, die Sie sofort von einem Fachmann beheben lassen sollten. Auch folgende Szenarien können der Gründe für Setzrisse sein:
Variabler Grundwasserspiegel
Hochwasser
Baumängel
Drucküberlagerungen durch Nachbargebäude
Aushubarbeiten
Erdbeben, stetiger Lastwagenverkehr etc.
Risse in der Wand können durch Faktoren entstehen, die außerhalb des eigenen Einflussbereiches liegen, wie höhere Gewalt durch Erdbeben und Überschwemmungen. Oft ist die Ursache allerdings in Baumängeln zu finden, denen Sie mit guter Vorbereitung entgegenwirken können.
Neubau: Risse in der Hauswand direkt zu Beginn verhindern
Große Risse im Mauerwerk zu reparieren, kann aufwendig und teuer sein. Daher ist es wichtig, diesen schon vor Baubeginn vorzubeugen. Wenn sie also einen Neubau planen, können Ihnen folgende Maßnahmen helfen, von Anfang an Putz- und Setzrisse zu verhindern:
Gründliche Bodenerkundung: Lassen Sie Experten/innen vor dem Bau den Boden analysieren. Bei Kenntnis der vorhandenen Bodenart können Fundamentierungsmaßnahmen geplant werden, die Risse in der Wand verhindern.
Anpassung der Bauweise: Je nach Baugrund lohnt sich die Verwendung eines Streifenfundamentes, um die Last des Gebäudes besser zu verteilen.
Drainagesystem installieren: Die Kontrolle des Grundwasserspiegels ist essenziell, um Wasseransammlungen zu vermeiden. Durch die Ableitung von Feuchtigkeit verringert sich die Belastung des Baugrunds signifikant.
Regelmäßige Wartung und Inspektion: Auch nach dem Bau sollte eine regelmäßige Wartung und Inspektion erfolgen. Kontrollieren Sie Wände auf Risse oder Anzeichen von Bewegung. Eine frühzeitige Erkennung vermeidet größere Schäden.
Berücksichtigung von Umgebungsfaktoren: Haben Sie auch Umgebungsbedingungen wie die Nähe zu anderen Gebäuden oder die Möglichkeit von Erdbeben im Blick.
Sorgfältige Planung und Prävention kann Setzrisse in Wänden vermeiden oder verlangsamen, was langfristig sowohl die Sicherheit als auch den Wert des Gebäudes schützt.
So entfernen Sie harmlose Putzrisse in der Wand eines alten Hauses
Oberflächliche Risse können Sie selbst schnell und einfach entfernen. Wichtig: Dieses Vorgehen eignet sich ausschließlich für oberflächliche Putzrisse:
Tragen Sie die Putzschicht vorsichtig mit einem Betonschleifer oder Bohrhammer ab
Vergrößern Sie mit einem Trennschleifer die Risse V-förmig
Tragen Sie Tiefengrund auf
Verlegen Sie ein Armierungsgewebe
Abschließend tragen Sie den frischen Putz auf
Wichtig: Arbeiten Sie gewissenhaft, um den Riss gründlich zu schließen und das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Ehe Sie eine Ausbesserung der Risse in der Wand am alten Haus oder Neubau vornehmen, sollten Sie dennoch abklären, welche Gründe für die Beschädigung vorliegen und um welche Art von Rissen es sich handelt.
Sollte Ihnen das handwerkliche Geschick fehlen, wenden Sie sich an einen Profi. In der Regel sind die Ergebnisse qualitativ hochwertiger und langlebiger.
Nicht jeder Riss ist ein Grund zur Sorge
Bei alten Häusern sind Risse nichts Ungewöhnliches. Oft gehören sie aufgrund der Witterung einfach dazu. Größere oder sich schnell verändernde Risse sollten Sie allerdings ernst nehmen, denn sie können auf ein echtes Problem hinweisen. Schauen Sie deshalb lieber regelmäßig drauf. Wenn Sie sich unsicher sind, holen Sie sich immer fachlichen Rat. So bleiben Sie auf der sicheren Seite und Ihr Haus in gutem Zustand.