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Das strohgedämmte Holzhaus NOW Lindow bietet Ruhe, Klarheit und Wohngesundheit

Holz und Stroh, Chapeau!

Holz und Stroh, Chapeau!

Natürlich geht das! Der Berliner Architekt Alessandro Tonnarelli wollte beweisen, dass gesundes, nachhaltiges und ressourceneffizientes Bauen auch schön sein kann. Sein Projekt NOW im brandenburgischen Lindow ist obendrein noch bezahlbar.

Architektur

strohtektur

https://strohtektur.de/

Fotografie

Andrea Briscoli

https://www.andreabriscoli.com/

Standort

Berlin, Deutschland

Null Beton, voll rückbaubar

Das Experiment: Ökologie und kompromisslose Kreislauffähigkeit mit einer Ästhetik verbinden, die Ruhe und Klarheit vermittelt. Die Lösung: Ein Wohn- und Ferienhaus etwa 60 Kilometer nördlich von Berlin, das komplett ohne Beton auskommt und vor allem aus Holz und Stroh besteht. So spart es allein in der Gebäudehülle rund 22 Tonnen CO2 im Vergleich zu einem konventionellen Bau. Zweigeschossig bietet es etwa 90 m2 Wohnfläche, mit Schlaf- und Arbeitsräumen im Erdgeschoss und einem großen Wohnraum mit Küche, Essbereich und Wohnzimmer im Obergeschoss. Verbunden werden die beiden Etagen durch eine zentral angeordnete Treppe mit einer umlaufenden Holzbrüstung. Ganz wichtig waren dem Architekten klare Linien, die Halt und Orientierung geben – eine bewusste Abgrenzung von der gerade in der ökologischen Architektur verbreiteten unregelmäßigen Formgebung. Ebenfalls zentral: Viele Fenster, oft mit gemütlichen Sitznischen.

Straight on: Klare Linien statt (vermutetem) Ökoklischee
Straight on: Klare Linien statt (vermutetem) Ökoklischee (Foto: Andrea Briscoli)

Das nachhaltigste Gebäude ist eines, das nie gebaut wird. Das zweitnachhaltigste ist eines, das im Kreislauf bleibt und keine Schäden hinterlässt. Als Architekturbüro stellen wir uns die Aufgabe, nachhaltige, ökologische und wiederverwendbare Gebäude zu bauen, und NOW Lindow zeigt, wie das gelingt, denn wenn Stroh im Haus steckt, wird die Erde wiedererweckt.

Alessandro Tonnarelli

Architekt und Permakultur Designer

Durchdachte Natürlichkeit

Da das NOW komplett und unkompliziert rückbaubar sein sollte, verzichtet es auf einen Keller. Seine Bodenplatte aus Konstruktionsvollholz ruht stattdessen auf 20 Fundamentschrauben, die zwischen zwei und drei Meter tief im Boden versenkt wurden. Dadurch konnte eine leichte Geländeneigung ausgeglichen werden, auch sorgt die rund 30 Zentimeter messende Luftschicht unter dem Haus für Feuchtigkeitsschutz und Versickerungsfähigkeit. Nicht nur der Boden, auch Wände und Dach sind aus heimischem Nadelvollholz, Innenwände und Zwischendecke aus Brettsperrholz. Ein wichtiger Aspekt ist die Wärmedämmung, für die rund 80 m3 unbehandeltes Stroh in die Boden-, Dach- und Wandelemente gepresst wurde. Geschützt wird es außen durch Kalk-, innen durch Lehmputz. Rohe Natürlichkeit wird hier zum Designprinzip: Das unbehandelte Holz der tragenden Innenwände, die freiliegenden Decken, die Korkbeläge der Böden und die sichtbaren Lehmwände führen zu einem Gefühl der Behaglichkeit – und zu einem nachweislich guten Raumklima. Schließlich sorgen die diffusionsoffenen Materialien für eine natürliche Pufferung von Feuchtigkeit und Temperaturen.

Keine Geheimnisse: Alles ist unbehandelt, unverkleidet, unbelastet (Foto: Andrea Briscoli)
Keine Geheimnisse: Alles ist unbehandelt, unverkleidet, unbelastet (Foto: Andrea Briscoli)

Low tech, high Lebensqualität!

Die Gebäudehülle des NOW Lindow erreicht den Passivhausstandard. Da hierdurch jede Wärmequelle im Haus die Innentemperatur beeinflusst, ist keine zentrale Heizung erforderlich. Stattdessen werden die Räume mit Infrarot-Deckenheizungen gezielt beheizt, ein Durchlauferhitzer sorgt für warmes Wasser. Somit funktioniert die gesamte Gebäudetechnik mittels Strom, zu dessen Erzeugung eine Photovoltaikanlage auf dem ansonsten begrünten Dach beiträgt. Ein Stromspeicher sichert die Nachtstunden ab. Bei der Elektrotechnik wurden passend zum minimalistischen Gestaltungskonzept Schalter und Steckdosen der Designlinie Gira Serie E2 in matt schwarz gewählt. Insgesamt sorgt dieser konsequente Low-Tech-Ansatz durch den Einsatz günstiger, nachwachsender Materialien, sichtbarer Oberflächen, einfacher handwerklicher Lösungen sowie einer reduzierten Gebäudetechnik nicht nur für Ressourcenschonung, sondern senkt nebenbei auch die Kosten. Für das komplette Haus rechnet sein Entwickler mit einem Komplettpreis von 300.000 Euro (Stand 2024). So günstig kann also ein nachhaltiges Einfamilienhaus sein. Und so schön.

Mehr Einblicke ins NOW Lindow
Das Video dient lediglich als alternative Darstellung des Seiteninhalts. Es enthält keine zusätzlichen Informationen.

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