Modernisierung mit Mut zum Minimum: Aus einer Doppelhaushälfte von 2004 machten die neuen Besitzer zusammen mit Architekt Fabian Wagner ein zeitgemäßes, stilvolles Familienhaus, das auf den ersten Blick schön, aber auf den zweiten ganz besonders ist.
Der Miami-Vibe
Auftraggeber der Neugestaltung der kleinen Wohneinheit in einem unscheinbaren, beige-grünen Sechziger-Jahre-Zweckbau war ein zwischen Berlin und Florida pendelnder Designer – eine Steilvorlage für den interdisziplinären Architekten Fabian Freytag. Sein Plan: Platz schaffen, optisch Größe erzeugen und bei der Ausstattung Zeichen setzen. Hilfreich war dabei, dass die Straßenseite des Apartments aus einer breiten Fensterfront bestand. Der gegenüber platzierte er eine eingezogene Wand aus matt spiegelndem Aluminium, die so für eine Größenwirkung sorgte. Dahinter verbergen sich ein kleiner Flur sowie das Bad, beide mit raumhohen Türen. Den richtigen Miami-Vibe erzeugen breite gelbe Streifen an der Decke. Mit ihrer kräftigen Farbe setzen sie nicht nur die niedrige Raumhöhe von nur 2,80 Meter in Szene, sondern wirken ganzjährig sommerlich – ein Leben unter einer permanenten Markise.
Geschickt zoniert, perfekt dekoriert
Basierend auf dem Grundgedanken, dass Raumgefühl von Offenheit und Weite abhängt, widerstand der Architekt dem Impuls, Nutzungen horizontal zu schichten. Statt etwa eines Hochbettes zog er nur ein niedriges Podest entlang der Fensterfront ein, das die Matratze aufnimmt. Gleichzeitig bietet das Podest Platz für einen wohnlichen Designsessel. Hier ist also Raum für Entspannung. Ein integriertes Regal – eine Maßanfertigung aus weißen Fenix-Platten – dient nach außen als niedriger Sichtschutz, lässt aber auch durch eine Aussparung Licht ins Apartment. Ebenfalls ganz in Weiß, jedoch mit schwarzen Zier- und Griffleisten sowie Armaturen, kommt die Küchenzeile samt Hängeschränken daher. Sie nimmt eine komplette Seitenwand des Apartments in Anspruch.
Mut zur Masse
Geradezu imposant wirkt in diesem Umfeld der Esstisch. Sein massiger, bauchiger Fuß besteht aus 3D-gedruckter, gefärbter Glasfaser, seine runde Platte verstärkt die Präsenz im Raum. Auch hier steht ein mutiger Entschluss hinter der Auswahl: Es ging Fabian Freytag nicht um Funktionalität, sondern um ausreichend Platz für Großzügigkeit. So rücken die Grundfunktionen an die Seite, um starke Zeichen zu ermöglichen. Der Tisch, umringt von einem Ensemble Designerstühle unterschiedlicher Marken und Zeitalter, ist hierfür das markanteste Beispiel. Und auch im Bad mit bodengleicher Dusche steht Design vornean, Konzessionen macht lediglich der schmale Waschtisch. Auch hier wird auf Schwarz und Weiß gesetzt, nicht nur Armaturen, sondern auch Lampen sind monochrom. Eine kleine, aber stimmige Ausnahme bilden die Schalter und Steckdosen der Designlinie Gira E2. In dezentem grau matt gehalten, arrangieren sie sich harmonisch mit der Aluminiumverkleidung und lassen den Miami-Vibe umso deutlicher werden – das ist großes Kino auf kleinstem Raum.
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