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„Wichtiger Meilenstein für die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit“

Für den Bau des neuen Gira Produktions-, Entwicklungs- und Logistikzentrums war die größte Investition in der Geschichte des Unternehmens notwendig. Welche unternehmerischen Ziele verbindet Gira mit dem neuen Standort? Und welche Produktivitätsgewinne erwarten Sie sich?

Dirk Giersiepen: Wir haben seit Jahren eine Vielzahl von Hallen und auch Büroflächen im Industriegebiet angemietet. Es war ein großer Glücksfall, dass wir am Campus Dahlienstraße nach und nach immer mehr Flächen anmieten konnten. Trotzdem führt das natürlich nicht zu idealen Prozessen, wenn man aus angemieteten zwei-, teilweise dreigeschossigen Hallen über die Straße hinweg die eigene Montage und den Versand versorgen muss, das ist ja klar.

So war nun Ende 2014 der Zeitpunkt gekommen, dass der Gesellschafterkreis sich für diese Neubauinvestition auf der „grünen Wiese“ entschieden hat. Vom Wareneingang in die Montage zum Warenausgang, dazwischen eine sehr leistungsfähige Kommissionier- und Lagerlogistik. Alles auf einer Ebene mit idealem Warenfluss. Und ein Entwicklungszentrum auf einer Ebene auf dem Dach der Montage statt auf mehrere Geschosse verteilt. Was für ein Unterschied! Für die internationale Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit ist dieses Projekt ein wichtiger Meilenstein.

Wir gewinnen ja gar nicht so viel Fläche hinzu, wie jeder meint, der diesen Neubau sieht. Wir geben nach dem Umzug doch viele angemietete Hallen auf. Diesen Hallen sieht man heute überhaupt nicht an, dass Gira dort schon so viele Jahre lang produziert.

Dieser Großinvestition stehen wegfallende Kosten für Mieten und die sehr aufwändige interne Logistik zwischen den Gebäuden gegenüber. Wir brauchen viel weniger Pufferläger, die heute zum Teil mitten in der Fertigung stehen, weil die automatische Lagertechnik nicht schnell genug ist. Die Produktivität wird natürlich steigen. Aber hier am Standort Radevormwald durch intelligente Abläufe und nicht durch plumpe Verlagerung in Niedrigstlohn-Länder. Und für die nächsten 15 Prozent Wachstum müssen wir nicht bauen oder anmieten. Sie sehen, es handelt sich um moderat dimensionierte Reserveflächen.

 

Warum ist Gira als international tätigem Unternehmen die Treue zum Standort Radevormwald so wichtig? Und was bedeutet in diesem Kontext das Label „Made in Germany“ für Gira?

Dirk Giersiepen: Die Treue zum Standort Radevormwald hat ja gute Gründe. Sie ist nicht das Ergebnis nostalgischer Gefühle oder eines Firmen-Dogmas, das unseren Entscheidungsspielraum einschränken würde. Natürlich freuen wir uns, mit diesem Neubau ein solches Standortbekenntnis zu Radevormwald setzen zu können. Aber diese Treue hat bessere Gründe als nostalgische Gefühlsduselei. Es gelingt einfach, auch 113 Jahre nach Gründung unseres Unternehmens immer wieder aufs Neue – gemeinsam mit vielen tollen, loyalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – die Wirtschaftlichkeit hier in Radevormwald nachzuweisen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ja auch treu und auch sie werden bessere Gründe für ihre Treue haben als Gewohnheit und Nostalgie. Menschen sind nicht einfach treu aus Faulheit, sie haben Gründe dafür.

„Made in Germany“? Immer noch ein in vielen Teilen der Welt wahrgenommenes Qualitätsversprechen. Auch wenn Deutschland durch das Planungs- und Umsetzungschaos bei Infrastruktur-Investitionen gerade dabei ist, dieses Versprechen zu schädigen. Aber „Made in Germany“ ist in einigen Märkten durchaus hilfreich. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

Wenn Sie auf dieses komplexe Großprojekt zurückblicken, das von den ersten Plänen bis zur jetzt bevorstehenden Einweihung mehrere Jahre in Anspruch genommen hat: Gibt es etwas, was Sie persönlich besonders beeindruckt hat oder worauf Sie stolz sind?

Dirk Giersiepen: Natürlich ist es beeindruckend, was hier in diesem Team aus eigenen Mitarbeitern, Architekten, Planern und ausführenden Gewerken entstanden ist. Das sind schon sehr komplexe Gebäude, sowohl was die Hülle als auch die eingebaute Technik betrifft. Dass das weitgehend in Zeitplan und Budget und ohne einen einzigen Arbeitsunfall gelungen ist, darauf sind wir stolz, ja das stimmt. Denn dazu gehören ganz viele kluge Köpfe, die sehr gut im Sinne der Sache zusammenarbeiten und persönliche Eigenarten oder gar Eitelkeiten hintanstellen mussten – allen voran unsere beiden eigenen Projektleiter, Andreas Dürwald und Dietmar Daszkiewicz, und die Architekten von Sauerbruch Hutton aus Berlin.

 

Aber unser Dank geht an ganz viele – nämlich an alle, die diesen Neubau erforderlich und dann in dieser Zeit und Qualität möglich gemacht haben. Erforderlich gemacht, das sind unsere Kunden. Danke! Umgesetzt, das haben die Architekten, Planer und die vielen ausführenden Unternehmen. Danke! Das ist aber auch die Stadt Radevormwald, die uns sehr gut unterstützt hat. Nicht mit Extrawürsten, wie dann manche immer meinen, sondern mit zügiger Bearbeitung und Koordination all der Schritte, die für eine solche Baumaßnahme notwendig sind und mit hilfreichen Hinweisen. Danke!

 

In den 1990er Jahren hat Gira sein neues Vertriebszentrum gebaut, in den 2000er Jahren den gläsernen Doppelriegel für die Kunststofffertigung, in diesem Jahrzehnt die Unternehmens-Kita und das neue Werk. Welche Vorhaben werden in den 2020er Jahren folgen?

Dirk Giersiepen: Das klingt ja, als sei Gira ein Bauunternehmen und Projektentwickler (lacht)! Nein, wir brauchen Gebäude, um unseren Job zu machen, sie sind Mittel zum Zweck.

Es ist immer dasselbe, was wir vorhaben. Seit 113 Jahren. Und auch die nächsten Jahrzehnte. Klingt langweilig, ist es aber nicht. Wir verantworten hier gemeinsam Zukunft. Und das gelingt dann, wenn wir unser Geschäftsmodell, also die Entscheidung, mit welchem Angebot wir in welchen Märkten bei welchen Kunden über welche Vertriebskanäle erfolgreich sein wollen und können, laufend den Veränderungen anpassen. Laufend versuchen Disruptoren wie Amazon, Alibaba, Start Ups, Internetportale usw., die Schnittstelle zwischen uns und den Endkunden zu besetzen. Sie möchten ein Berg sein zwischen uns und den Endkunden, damit wir uns gegenseitig nicht sehen können. Und sie wollen die Wissens- und Datenhoheit darüber, was die Endgebraucher unserer Produkte wollen und wie sie unsere Produkte nutzen. Stattdessen müssen wir diese Position mindestens auch besetzen. Da investieren wir viel. Und wenn uns das weiterhin recht gut gelingt, dann wird es auch wieder Bauentscheidungen geben. Aber vor das Bauen haben die Götter den Erfolg des Geschäftsmodells gesetzt. Darum geht es, das ist die laufende und nie endende Existenzfrage für jedes Unternehmen. Man ist nie fertig, alles ist immer im Fluss.

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