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Was macht eigentlich …? - Markus Fromm-Wittenberg über die Schulter geschaut

Herr Fromm-Wittenberg, die Position, die Sie bei Gira innehaben, klingt ein wenig sperrig. Wie müssen wir uns Ihre Tätigkeit vorstellen?

Wie es der Name schon sagt: Ich leite diese kleine, auf Anwendungen spezialisierte Abteilung – im Grund ist das eine in die Zeit passende, kreative Speerspitze, um Innovationen voranzutreiben. Zu ihr gehören drei weitere Mitarbeiter, entsprechend gibt es im Wesentlichen drei Bereiche: den Gira App-Shop, den Bereich „Kooperationen“ und den Bereich Anwendungsentwicklung. In letzterem entwickeln wir Anwendungen auf der Basis bestehender, aber auch auf Basis neu zu definierender Schnittstellen, um heute und künftig möglichst viele Gewerke in die Gebäudesteuerung mit einbeziehen zu können.

Bei Ihnen wird also echte Entwicklungsarbeit geleistet …

Auf jeden Fall – aber es gehört ebenfalls eine Menge Kommunikationsarbeit dazu. Das ist vor allem meine Aufgabe: Ich suche weitere Partner, die mit Gira kooperieren können und wollen, ich muss dabei herausfinden, was technisch möglich, aber auch was sinnvoll für den Nutzer ist und was in den Markt passt. Dazu bin ich derzeit im eNet-Programm der Insta tätig und leite die sogenannte „eNet Allianz“. Auch hier geht es in erster Linie um interdisziplinäre Kooperationen, mit denen wir das Thema gewerkeübergreifende Lösungen vorantreiben.

Mit anderen Worten: eNet wird weiter entwickelt.

Ja, denn eNet ist das ideale System für Renovierung und Nachrüstung, ein Bereich, der in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen wird. Mit eNet wollen wir einerseits das bestehende Funkbus-System von Gira ablösen, andererseits eine Antwort finden auf die Anforderungen, die der boomende Markt des Smart Home an uns stellt. Unser Vorteil ist, dass eNet ein komplettes System ist und keine dieser Insellösungen, die ja im Moment von vielen Anbietern auf den Markt geworfen werden. Dazu kommt, dass Gira eNet explizit als Teil des Fachvertriebs positioniert, so dass wir letztlich dem Elektrofachhandwerk einen Zugang zu diesem auch mengenmäßig lukrativen Markt öffnen. Wir bezeichnen eNet deshalb auch als „Smart Home aus Meisterhand“. Wir wollen bewusst nicht mit Angeboten aus dem Online-Shop konkurrieren, sondern setzen auf ein ausgereiftes, sicher installiertes und langlebiges System.

Ziel Ihrer Abteilung bei Gira ist ja die gewerkeübergreifende Gebäudesystemtechnik. Tatsache ist aber, dass die Gewerketrennung gerade in Deutschland, was das Bauen betrifft, eine lange Tradition hat.

Das ist ein spannendes, zugleich ein spannungsreiches und extrem dynamisches Feld. Hier spielen die historischen Gegebenheiten eine große Rolle, daneben Normen und Gesetze. Und ganz besonders die Politik, die das Thema Energieeffizienz im Gebäude stetig vorantreibt. Die von ihr gesteckten Ziele lassen die traditionelle Gewerketrennung eigentlich nicht mehr zu. Deshalb sind wir dabei, andere Wege zu finden, um letztlich in der Verbindung der Gewerke einen Nutzen zu schaffen, den die Politik einfordert und den Bauherren und Mieter ebenfalls verlangen.

Gewerkeübergreifend: noch Zukunftsmusik oder schon Realität?

Technisch gesehen ist ja schon einiges machbar, das zeigt unsere Initiative „Connected Comfort“, in der sich führende Premium-Marken der Haustechnik zusammengeschlossen haben, um gewerkeübergreifend mehr Intelligenz ins Haus zu bringen. Neben Gira gehören dazu Dornbracht, Revox, Miele und Vaillant. Außerdem führen wir gerade mit weiteren Partnern intensive Gespräche. Ich sehe bei diesem Thema aber zugleich einen echten Megatrend: Kooperationen. Wir müssen mehr denn je nicht nur innerhalb unserer Branche, sondern auch branchenübergreifend kooperieren. Die Autoindustrie zeigt uns – wie so oft – was geht: verschiedene Hersteller arbeiten beispielsweise auf der Systemebene miteinander, was technische Innovationen bezahlbarer macht und dadurch Kosten spart. Über Kooperationen kann die Elektrobranche viel erreichen, sogar noch mehr, nämlich neue Geschäftsmodelle generieren, so wie etwa „Connected Comfort“. Hier müssen wir agil bleiben und neue Ideen, neue Modelle erarbeiten. Denn eines ist klar: Unser Markt ist in Bewegung, ständig kommen neue Player hinzu – viele kleine Start-Ups, daneben Branchenriesen wie Apple und Google. Und sie alle drängen ins Smart Home. Das sehe ich als die größte Herausforderung an.

Dem Smart Home sind Sie ja persönlich schon lange verbunden. Unter den Gira Mitarbeitern kursiert der Spitzname: „Godfather of HomeServer“ …

(lacht) … hab‘ ich schon mal gehört. Als Erfinder des Gira HomeServers empfinde ich mich jedoch nicht. Dazu braucht es immer ein Team und natürlich die Unterstützung von Vorgesetzten und der Geschäftsleitung. Denn es genügt ja nicht, Innovationen technisch voranzutreiben, man muss immer auch ihre Machbarkeit und ihre Marktchancen im Auge haben. Aber es stimmt, ich habe seinerzeit das Thema Gebäudesystemtechnik bei Gira vorangetrieben und den HomeServer lange als Produktmanager betreut. Wenn ich heute zurückblicke und sehe, was wir seitdem erreicht haben, da bin ich schon ein bisschen stolz.

Sie sind jetzt seit 23 Jahren in unterschiedlichen Positionen für Gira tätig – was hat Sie in dieser langen Zeit nachhaltig beeindruckt, was ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Das sind zwei Dinge. Zum einen die familiäre Atmosphäre, die das Unternehmen geprägt hat und heute noch auszeichnet, obwohl Gira in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Damit meine ich nicht nur den kollegialen Umgang miteinander, selbst über die Hierarchien hinweg, sondern auch die enge Beziehung zur Geschäftsleitung von Gira. Ich arbeite viel und gerne – und besonders gerne für Gira, ich identifiziere mich sehr mit dem Unternehmen. Was mich zudem geprägt hat, ist das Unternehmensnetzwerk „Universal Home“, das sich generell mit Zukunftstechnologien beschäftigt, sich aber zugleich die sehr konkrete Frage stellt, wie vernetztes Wohnen im Jahr 2030 aussehen wird. Das ist im Grunde genau das Thema der gewerkeübergreifenden Lösungen, nur sehr viel weiter in die Zukunft gedacht. Und aus anderen Perspektiven betrachtet und hinterfragt, als ich das aus meinem beruflichen Umfeld eigentlich gewohnt bin. Das sind spannende Zeitreisen in die Zukunft, sie erweitern meinen Horizont ungemein! Und natürlich sind das ein Stück weit auch Visionen – aber für mich sind Visionen eben die Gegenwart der Zukunft. Wenn es ein Motto für meine Arbeit gibt, dann ist es das.

Herr Fromm-Wittenberg, vielen Dank für das Gespräch. Wir werden uns natürlich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und 2030 nachfragen, welche Visionen dann Wirklichkeit geworden sind.

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