GrĂŒne Architektur: Entdecken Sie mit uns fĂŒnf wegweisende Projekte, die zeigen wie erfinderisch das Bauen von morgen ist. GrĂŒne Architektur: Nachhaltig, energieeffizient und langlebig 🌳 | G-Pulse

Stellen Sie sich vor, Sie leben mitten in der Großstadt und der Blick aus dem Fenster zeigt statt grauer BetonwĂŒsten ĂŒppiges GrĂŒn. Auf DĂ€chern und Fassaden, Balkonen und Terrassen wuchern und wachsen Pflanzen, bunte Blumen, frische KrĂ€uter, Obst und GemĂŒse. Parks und Anlagen laden zum Joggen, Schlendern und Entspannen ein. Das klingt nach Utopie? Weitsichtige Architekten und Stadtplaner liefern schon jetzt Antworten auf die großen Themen unserer Zeit wie dem Klimawandel, Roh- und Brennstoff-Knappheit oder Wohnraumnot. Sogenannte GrĂŒne Architektur ist bereits heute mehr als nur ein hipper Trend.

Collage GrĂŒne Architektur
Energieeffizient, nachhaltig, langlebig: Das macht grĂŒne Architektur aus. Quelle: SLA Copenhagen, MVRDV VERO

Was macht GrĂŒne Architektur besonders?

Um die Kriterien fĂŒr nachhaltige Architektur zu erfĂŒllen, reichen nicht nur Pflanzen allein. Auch die Form und Funktion eines GebĂ€udes muss zahlreichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Anforderungen gerecht werden. Denn mit welchen Materialien wir bauen, wirkt sich nicht nur auf das Raumklima aus oder auf die Gesundheit der Bewohner, sondern auch auf Umwelt, Klima und Ressourcenverbrauch. Nachhaltiges Bauen betrachtet den gesamten Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling der Materialien. GrĂŒne Architektur zeichnet sich deshalb durch folgende wichtige Merkmale aus:

  • die Verwendung von nachhaltigen, langlebigen und wiederverwertbaren Baumaterialien, wie beispielsweise recyclebarem Beton oder Holz

  • erhöhte Energieeffizienz durch Minimierung der Betriebsenergie und Nutzung von erneuerbarer Energie, wie Solarthermie, Geothermie und Photovoltaik

  • die optimale Ausrichtung eines GebĂ€udes zur Sonne, um Heizkosten zu sparen

  • eine effiziente WĂ€rmedĂ€mmung mit natĂŒrlichen DĂ€mmstoffen wie etwa Hanf, Schafwolle, Flachs oder Stroh

  • flĂ€chensparendes Bauen mit minimaler Versiegelung der FlĂ€chesparsamer Umgang mit Wasser

Doch wie lassen sich mittels nachhaltiger Architektur unsere StĂ€dte noch lebenswerter machen? Wir stellen Ihnen fĂŒnf visionĂ€re Konzepte vor, die zeigen, in welche Richtung sich das Bauen der Zukunft entwickeln muss:

1. Amager Bakke: Nachhaltige Architektur mit Clou

Eines der derzeit grĂ¶ĂŸten Umweltprojekte steht in Kopenhagen. Amager Bakke, eine neue MĂŒllverbrennungs- und Energiegewinnungsanlage, entsorgt den MĂŒll der gesamten Stadtbevölkerung der dĂ€nischen Hauptstadt. Gleichzeitig erzeugt die Anlage Strom und FernwĂ€rme fĂŒr etwa 150.000 Haushalte.

Das spannende an diesem Bauwerk ist aber, dass das dĂ€nische ArchitekturbĂŒro Bjarne Engels Group das GebĂ€ude nicht etwa am Stadtrand platzierte, sondern direkt an der Uferpromenade mitten in einem Naherholungsgebiet. Wie ein großer HĂŒgel fĂŒgt sich das riesige Bauwerk mit einer GrundflĂ€che von 41.000 Quadratmetern (etwa sieben Fußballfelder) in einen Park ein. Denn die MĂŒllverbrennungsanlage bietet etliche Freizeitattraktionen wie Aussichtspunkte, KletterwĂ€nde, Street-Fitness und eine ganzjĂ€hrig befahrbare Skipiste.

2. Sydney Fish Market: Ressourcenschonung und Umweltschutz

In Sydney entsteht am Blackwattle Bay in Pyrmont ein neuer Touristen-Magnet: Das dĂ€nische DesignbĂŒro 3XN verwandelt in Zusammenarbeit mit den lokalen ArchitekturbĂŒros BVN, GXN Innovation und dem Landschaftsarchitekten Aspect Studios den drittwichtigsten Fischmarkt der Welt in eine architektonische Attraktion, die 2024 eröffnet werden soll.

Der Neubau gilt als Musterbeispiel in Sachen Nachhaltigkeit: Als charakteristisches Element ĂŒberspannt ein leicht wellenförmiges Dach aus Holz und Aluminium den 65.000 Quadratmeter großen Fish Market. Es wurde so gestaltet, dass Regenwasser zur weiteren Verwendung aufgefangen, aber auch Solarenergie produziert wird. Außerdem nutzt die einzigartige Form die lokaltypischen WindverhĂ€ltnisse, um heiße Luft abzuleiten. Das schĂŒtzt die Menschen darunter vor den heißen SĂŒdwinden. Dreieckige Öffnungen lassen viel natĂŒrliches Tageslicht in das GebĂ€ude, direktes Sonnenlicht wird abgelenkt. Klimaanlagen sind zwar nötig, der Einsatz wird aber minimiert.

Eine weitere Besonderheit dieses Entwurfes: FĂŒr Besucher zugĂ€ngliche Bereiche und der Großmarkt sind strukturell voneinander getrennt. Allerdings lĂ€sst sich das geschĂ€ftige Treiben ĂŒber eine Amphitheater-Treppe von der Uferpromenade oder dem Kai aus sicherer Entfernung anschauen.

3. The Farmhouse: Wohnen zwischen gestapelten SchrebergÀrten

Auch das chinesisch-österreichische Architektenpaar Fei und Chris Precht vom Studio Precht beschĂ€ftigt sich mit der Frage: „Wie kann Architektur Teil unserer Nahrungsmittelproduktion sein und dazu beitragen, eine stetig wachsende Bevölkerung zu ernĂ€hren?“ Eine Antwort liefert ihr phĂ€nomenales Projekt The Farmhouse. Die Idee: „Wir bauen gewissermaßen unser Ackerland und bepflanzen unser GebĂ€ude“, erklĂ€ren die Architekten. DafĂŒr entwickelten sie ein Baukastenprinzip aus dreieckigen, stapelbaren Holzmodulen. Dieses Kartenhaus-Prinzip eignet sich fĂŒr HochhĂ€user genauso wie fĂŒr Einfamilien- oder Tiny HĂ€user. In den jeweiligen Giebeln befinden sich WohnrĂ€ume mit abgewinkelten WĂ€nden, dazwischen die V-förmigen Kubaturen als AnbauflĂ€che fĂŒr Obst und GemĂŒse.

4. Weingut Shilda: Im Fokus steht die Natur, dann folgt das Bauwerk

Die Energieeffizienz steht eindeutig im Mittelpunkt, wenn es darum geht, Konzepte fĂŒr GebĂ€ude der Zukunft und GrĂŒne Architektur zu entwerfen. So auch bei dem Weingut Shilda in Georgiens östlichster Region Kachetien. Drei wellenförmige GebĂ€udeteile sind hier buchstĂ€blich in die Landschaft der Weinberge eingebettet. Aus der Vogelperspektive erkennt man kaum, dass hier ein GebĂ€ude steht. Der Abstand der Weinreben, 2,5 Meter, bestimmt auch den Abstand der gekrĂŒmmten StahltrĂ€ger, dazwischen GrĂŒn und Glas. Um das GebĂ€ude zu kĂŒhlen, wird die thermische Masse des Bodens genutzt. Aus dem gleichen Grund ist auch der Hauptteil der Fassade nach Norden ausgerichtet. Das hat den Vorteil, dass keine zusĂ€tzliche Energie zum KĂŒhlen des GebĂ€udes nötig ist.

5. Valley in Amsterdam: GrĂŒne Architektur mitten in der Stadt

Ballungsgebiete wachsen immer weiter und Experten gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 rund 70 Prozent der Erdbevölkerung im urbanen Raum leben wird. So ist der Bedarf an GrĂŒnflĂ€chen in den StĂ€dten höher denn je.

Um beispielsweise Amsterdam ein bisschen grĂŒner zu gestalten, entwickelte das niederlĂ€ndische ArchitekturbĂŒro MVRDV den GebĂ€udekomplex Valley, bestehend aus drei ĂŒppig begrĂŒnten TĂŒrmen. Die ersten Stockwerke sind noch fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich und laden zu SpaziergĂ€ngen ĂŒber grĂŒne Terrassen ein, wĂ€hrend sich weiter oben private und verschachtelte Terrassen und Balkone fĂŒr die Hausbewohner befinden. Das GebĂ€ude bietet 198 Wohnungen, eine Sky Bar auf dem Dach rundet das Konzept ab.

6. Solo House: Nachhaltige Architektur im Einklang mit der Natur

Ein weiteres Beispiel steht mitten in einem Wald in der Bergregion Matarraña in Spanien. Dort platzierten die belgischen Architekten Kersten Geers und David Van Severen das Solo House, ein rundes, experimentelles Urlaubsdomizil auf einer Hochebene mitten im GrĂŒnen. Die Aufgabe der Architekten bestand darin, quasi eine unsichtbare Architektur zu erschaffen, um die beeindruckende Landschaft und die QualitĂ€ten der Umgebung zu betonen.

Sie entwarfen eine Art Ufo: Zwei Betonringe mit einem Durchmesser von 45 Metern bilden Boden und Dach, dazwischen StĂŒtzen und große Panoramafenster. Die Fassaden lassen sich vollstĂ€ndig öffnen, so verschwindet die Grenze zwischen Innen und Außen. Auf dem Dach platzierte Photovoltaikmodule liefern thermische und elektrische Energie, die sich speichern lĂ€sst.

ZeitgemĂ€ĂŸ und zukunftsfĂ€hig: Architektur muss neu gedacht werden

Das allgemeine VerstĂ€ndnis von GrĂŒner Architektur ist, das GebĂ€ude umweltfreundlich zu bauen. Dabei bleibt es wichtig, nicht auf kurzfristige Ziele, sondern vor allem auf langfristige Nachhaltigkeit zu setzen – von der Rohstoffgewinnung bis zum Recycling der Materialien.